So funktioniert Hagelabwehr

Mitte der 1950er fanden die ersten Versuche statt,  Silberiodid mit Hagelraketen in Gewitterwolken zu schießen. Heute sind speziell ausgebildete Piloten mit ihren Fugzeugen zur Hagelabwehr unterwegs

Generatoren zur schnellen Verdampfung der Silberjodid-Aceton-Lösung

(Bildquelle: Neckarwelle, 06.05.16)

Die Flieger sind mit Generatoren zur schnellen Verdampfung der Silberjodid-Aceton-Lösung ausgestattet. Die Lösung wird an der Wolkenbasis freigesetzt. Es bilden sich AgI-Kristalle, die vom Aufwind in die Gewitterwolke getragen werden.

Silberjodid bildet bereits bei -15,2 Grad Eiskeime und gilt als umweltverträglich. Wasser selbst ist ohne fremde Kristallisationskeime erst bei -40 Grad vollständig gefroren. Die überschüssige Feuchtigkeit kann sich mit Silberjodid also feiner verteilen, Hagelkörner bleiben kleiner.
Im Idealfall bleiben sie klein genug, dass sie schmelzen während sie vom Himmel fallen und fallen als schwere Regentropfen auf die Erde kommen.

Der Pilot wird über Stärke und Richtung auf dem Laufenden gehalten

Mit dem Wetterradar haben die Wetterdienste den Himmel über Südwestdeutschland permanent im Blick Hagelwolken können frühzeitig aufgespürt werden.

Wenn solche Niederschlagszellen mit Hagelpotenzial dann unterwegs in unsere Richtung sind, wird der Pilot per mobiler Überwachungssoftware über Stärke und Richtung auf dem Laufenden gehalten.

Sobald die Gewitterzelle die vorher festgelegte Risikoschwelle überschritten hat, startet der Flieger.

Die besonders hierfür ausgebildeten Piloten fliegen in den Aufwindbereich der Gewitterwolken und versprühen ein Silberjodid-Aceton-Gemisch, das die Bildung großer Hagelkörner verhindern soll. Es gibt stattdessen dann mehr, aber sehr viel kleinere Hagelkörner.

Artikel über die Hagelfliegerei in der Neckarquelle Extra

29_0502_SonderseiteHagel2.pdf (396,6 KiB)